Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Das Genie

Klaus Cäsar Zehrer



Zehrer präsentiert uns hier seinen Erstling und ich war ab der ersten Seite gefesselt.
Er nimmt uns mit in eine Welt, die uns zumeist verschlossen ist, denn wer kennt schon ein Genie, oder hat ein Genie aufwachsen sehen?
William James Sidis lebte von 1898-1944 in England und Amerika, es liegen Dokumente und Biografien über ihn im englischen Sprachraum vor.
Als Leser bemerkt man sofort, dass der Autor dieses Thema durchdrungen hat, denn mit dieser
Lebendigkeit dieses Leben zu schildern, dazu gehört schon eine Menge Einfühlungsvermögen.
Mit Boris, dem Vater, des Genies tauchen wir ein in dieses Buch. Er ist selbst hochbegabt, sein Intelligenzquotient wird auf über 150 geschätzt. Er wandert aus Russland nach Amerika aus. Denn in Russland bzw. der heutigen Ukraine wurde er in jungen Jahren schon inhaftiert, da er sich für die Bildung der Bauern einsetzte.In Amerika verspricht er sich ein gutes freies Leben und vor allem, dass was ihm in seiner Heimat verwehrt wurde, sein Wissen, das sich über viele Bereiche erstreckt, weiterzugeben und zu vermitteln.
Zumeist tut er das ohne Geld dafür zu nehmen: Wissen zu erwerben und andere daran teilhaben zu lassen, ist für ihn das Wichtigste - damit steht und fällt für ihn alles.
Es ist seine Lebensphilosophie. Sein Ziel ist es, Vollkommenheit zu erreichen.
Eine seiner Schülerinnen wird seine Frau und aus dieser Verbindung entsteht William.
Schon am Tag der Geburt spricht Boris mit seiner Frau über die Ausbildung des Babys. Er hat eine
speziellen Methode entwickelt, um sofort mit dem Unterricht beginnen zu können. Das Lernen soll sich sofort für das Kind etablieren und so normal wie essen und schlafen werden, seine Gehirnströme sollen frühzeitig angeregt werden, damit der Kleine seine volle Kapazität nutzen kann.
William ist tatsächlich ein Genie -oder wurde er dazu gemacht?- wird dadurch Außenseiter, der
sich später nichts als ein normales Leben wünscht, den Kriegsdient verweigert und für
Gerechtigkeit kämpft.
Mit dem Buch trifft, wie Benedict Wells auch so schön gesagt hat, Klaus Cäsar Zehrer den Nerv der Zeit, denn heute wird in manchen Schichten viel Wert auf Früh- und noch frühere Förderung gelegt. Klassik im Mutterleib gehört hierbei zu den harmlosen Varianten.
Wohin es führen mag, wenn man zu weit geht, die Eltern nur noch im Bildungs- und Förder-Tunnel wohnen, ihre eigene Existenz feiern, ihren Erziehungserfolg einzuheimsen möchten, das Kind aber emotional vernachlässigen, das lesen wir in diesem rundum gelungenen Buch.

Tags: Familie

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