Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Ich war der letzte Bürger der DDR

Roberto/Thomas Yanzes, Grimm



Dieses Buch hält, was der Titel verspricht. Roberto Yanez ist wirklich der Enkel Honeckers.
Durch ihn erleben wir dieses Stück einer untergegangenen Welt. In den 70 -iger Jahren
beginnend, denn Robert ist 1974 geboren, schildert er sein Erleben mit den Großeltern,
denn mit ihnen verbringt er einen großen Teil seiner Zeit. Schon als Kind ist das der Fall und
auch als Heranwachsender lebt er sogar in Chile mit der Großmutter viele Jahre zusammen
bis sie stirbt. Daher auch der Titel des Buches, "Ich war der letzte Bürger der DDR", denn
die Großmutter kann auch nicht in Chile von ihrem Glaubenssystem ablassen und hält bis zu
ihrem Tod daran fest. Sie war vom Sozialismus so überzeugt, dass sie nichts anderes zulassen
konnte und wollte.
Honecker selbst war ein sehr in sich gekehrter Mensch, der sich nicht in die Karten schauen ließ,
schweigsam war und das Meiste mit sich selbst ausmachte. Sein Körper spräch dafür Bände,
als er in den Jahren des Umbruchs an Krebs erkrankt.
Das Schöne an dem Buch ist, dass man nicht den Staat an sich erlebt, auch nicht die politische
Person, sondern die einst mächtigsten Bürger der DDR, als Menschen.
Es öffnet sich die Tür, die sonst für uns verschlossen ist.
Roberto nimmt uns mit ins Jagdhaus, denn Opa geht gerne jagen, oder auch direkt nach
Wandlitz, wo er sich auch sehr zuhause fühlt . Oma und Opa sind zwar streng und
können nicht direkt die Liebe, die sie für ihn haben, zeigen(außer dann später in Briefen)
Aber sie umsorgen ihn sehr und sind immer für ihn da.
Er ist immer willkommen und darf an deren Leben teilnehmen.
Bis zur Wende, als sich auch für Roberto alles ändert, denn sein Vater, aus Chile stammend,
kann nun ungehindert mit der Familie dahin ausreisen.
Für ihn selbst, der zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre ist, wirkt die Abreise aus Berlin , wie ein
schwarzes Loch. Mit der Zeit lebt er sich in Chile ein, verbringt noch viel Zeit mit der
Großmutter, findet seine zukünftige Frau und wird in späteren Jahren Künstler.

Aber das Gefühl der Entwurzelung ist immer da und gefühlsmäßig klärt sich bei ihm
erst einiges, als er nach 23 Jahren seine Heimat besucht und damit die Orte seiner Kindheit.
Und da spricht er auch sicher einigen seiner Generation aus dem Herzen, für die es
nach der Wende nicht mehr weiter ging, so als wäre mit dem Tod der DDR
auch ein Teil der Wurzeln genommen, bzw. ein Teil der Heimat gestorben.
Was dies alles in ihm auslöst, bei einem jungen Menschen, der zunächst aus der Macht der
Beiden profitieren und später den Zusammenbruch hautnah miterlebt, das ist sehr berührend.
Eine Welt, die für ihn bestimmt immer mal mehr, mal weniger präsent bleiben wird.

Indem das Persönliche mit dem Zeitgeschehen verbunden wird, bleibt es immer hochspannend
Emotionsvoll, aber nie beklagend oder anklagend ist man ganz nah am Geschehen.
Lebendiger und unmittelbarer kann man Geschichte nicht beschreiben.

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