Buchhandlung Baeuchle

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Buchtipp: Deine kalten Hände

Kang Han



Han Kang ist eine koreanische Schriftstellerin und 2016 wurde die Vegetarierin mit dem Man Booker Preis ausgezeichnet.
Vielleicht ist sie deshalb manch einem schon ein Begriff.
Dieses Buch schrieb sie schon vor der Vegetarierin aber es wurde erst jetzt übersetzt und in Deutschland veröffentlicht.
Es sieht nicht nur vom Cover her künstlerisch aus, Kunst spielt auch eine große Rolle im Buch.
Der Roman beginnt mit einer Frau, die sich in einer Ausstellung befindet und Gipsabdrücke von
Körperteilen bewundert. Einige Zeit später besucht sie ein Theaterstück und ihr begegnet
als Teil vom Bühnenbild wieder diese Kunst. Sie ist völlig gebannt und kann sich gar nicht mehr
auf das Stück konzentrieren und hat nur noch den Wunsch, den Künstler und den Hintergrund
für diese Kunst zu erfahren, was hat ihn dazu animiert hat.
Kurz darauf lernt sie ihn tatschlich kennen. Aber er hält sich bedeckt. Erst durch ein Manuskript ,dass ihr die Schwester
von ihm zuschickt, erhält sie Zugang zu seiner Welt.
Für den Künstler gab es ein Schlüsselerlebnis mit seinem Onkel, was ihm den Ansporn gab,
hinter die Hülle der Menschen schauen zu wollen. Warum sind sie so, wie sie sind.
Schon frühzeitig studiert er das Verhalten seiner Eltern und kommt zu dem Schluss, dass
sie nicht das sind, was sie vorgeben zu sein.
Das Leben erfüllt ihm den Wunsch, als er einer Frau über den Weg läuft, von deren Händen
er völlig gebannt ist. Für ihn sind sie etwas Heiliges. Sie lässt sich auf seine Bitte ein
und stellt sich als Modell zur Verfügung. Unzählige Gipsabdrücke von ihren Händen werden
angefertigt, aber es bleibt nicht dabei. Es werden auch Teile ihres Körpers in Gips dargestellt.
Der Vorgang ist ein sehr intimer und es braucht viel Vertrauen sich darauf einzulassen,
dazu entsteht noch durch das Bestreichen mit Gips eine große Wärmeentwicklung
auf dem Körper. Sobald der Gips getrocknet ist, meißelt er ihn vom Körper ab und es
scheint, als fiele mit der Gipshülle auch die innerliche Hülle des Menschen.
So sind wir hier anwesend bei zwei seiner Modelle, deren Abgründe er freilegt, ohne dass er
ein psychologisches oder therapeutisches Geschick an den Tag legt.
Was ihm aber zum Therapeuten macht ist, dass er über die Frauen und deren Geschichte
und auch die Ausbrüche danach, nie urteilt.
Er nimmt alles gelassen hin, wie die Anteile in einem seiner Kunstwerke, mit einer Selbstverständlichkeit so wie jeden Tag die Sonne aufgeht.
Was den Künstler reizt war nicht die Hülle, wie Han Kang so schön schreibt, "sondern ihr nachtdunkler Hohlraum".
Der Mensch und die Kunst haben hier ihre Bestimmung gefunden.
Alles ergibt eine Einheit als gehöre es unbedingt zusammen. Hier bedingt das Eine das Andere
und hält sich dadurch am Leben. Bei der Kunst geht es nicht immer um Schönheit,
nur der Mensch wünscht sie sich-
Hier geht es eher um Wahrheit.
Vielleicht ist die Kunst wahrhaftiger als alles andere ?
Für mich ist es ein Buch, was bewegt und was mich noch eine ganze Zeit im Kopf begleitet hat,
mit seiner so gezielten Sprache und der ganzen Szenerie der Menschlichkeit.
Wer Murakami liebt, wird an ihr auch große Freude haben.

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